Nachwuchsmangel oder Fehler im System? Wie Betriebe ihr Ausbildungsangebot ankurbeln können

Die duale Ausbildung ist von großer Bedeutung, um den Nachwuchs an Fachkräften zu sichern. Doch die Schere zwischen Angebot und Nachfrage – sowohl auf Seiten der Betriebe als auch der angehenden Auszubildenden – klafft immer stärker auseinander. Auf der Messe Zukunft Personal skizzieren Experten der IHK zu Köln und verschiedener Unternehmen praxisnahe Handlungshilfen. Auch HR-Vordenker Thomas Sattelberger und DGFP-Geschäftsführerin Katharina Heuer sind als Diskutanten in Köln dabei.

Laut Berufsbildungsbericht 2015 erreichte die Zahl der gemeldeten unbesetzten Ausbildungsstellen in Betrieben mit 37.100 einen neuen Höchststand. Ein Grund für die zunehmende Nachwuchslücke ist die demografische Entwicklung: Die Zahl der Schulabgänger nimmt kontinuierlich ab. Gleichzeitig entscheiden sich immer mehr junge Menschen für ein Studium anstatt für eine Ausbildung.

Ausbildung versus Studium?

Wichtige Köpfe der in Gründung befindlichen „ZukunftsAllianz Arbeit & Gesellschaft“ (ZAAG), einer Aktionsplattform einflussreicher zivilgesellschaftlicher Vereinigungen und Personalvereinigungen, plädieren jedoch dafür, beide Karrierewege nicht gegeneinander auszuspielen: „Wer von ‚Akademisierungswahn‘ redet, bezeichnet die Bildungsentscheidungen junger Menschen als dumm. Wie realitätsfern, wenn man höhere Bildungsrenditen, Karriereperspektiven und Arbeitsplatzsicherheit akademischer Bildung sieht“, kommentiert Thomas Sattelberger, künftiges Vorstandsmitglied der ZAAG. Gegen die Marktkräfte komme man nicht mit plumpen Sprüchen an. Die Wirtschaft muss laut Sattelberger sowohl das „Produkt Ausbildung“ attraktiver machen als auch die miserable Arbeitskultur in Teilen des Handwerks und der Dienstleistungsbranchen verbessern. „Deutschland braucht weiterhin eine starke duale Berufsausbildung, die für alle Schulabgänger attraktiv ist. Hier sind vorrangig Unternehmen und Bildungspolitiker gefordert“, konstatiert Katharina Heuer, Geschäftsführerin der Deutschen Gesellschaft für Personalführung e.V. (DGFP) und ebenfalls künftiges Vorstandsmitglied der ZAAG. „Die wachsende Akademisierung hat leider immer mehr Studienabbrecher zur Folge. Hier müssen wir entgegenwirken.“

In einem Impulsvortrag skizziert HR-Vordenker Thomas Sattelberger auf der Zukunft Personal die aktuellen „Wahnvorstellungen zu Studium und Ausbildung“. Nach einem Statement von Katharina Heuer von der DGFP gehen die beiden HR-Persönlichkeiten in die gemeinsame Diskussion.

Glückliche Azubis? Jugendliche zwischen Couch und Karriere


Anhaltspunkte für eine paradoxe Situation von Angebot und Nachfrage im Ausbildungsbereich gibt auch eine Studie von McDonald’s mit dem Titel „Pragmatisch glücklich: Azubis zwischen Couch und Karriere“ aus dem Jahr 2013, die nun neu aufgelegt wird. Die aktuellen Ergebnisse dienen als Grundlage für ein Dialogformat auf der Messe: Personalvorstand Wolfgang Goebel gibt gemeinsam mit einem Auszubildenden Einblicke in die Gemütslage von Jugendlichen zum Thema Ausbildung. Dabei geht es etwa um die Frage, welche beruflichen Perspektiven die junge Generation in Deutschland hat, welche Erwartungen sie an ihr Berufsleben mitbringt und welche Entscheidungswege bei der Berufswahl eine Rolle spielen.

Ein weiteres Problem des Ausbildungssystems: Viele Berufsbilder passen nicht mehr zu den Anforderungen in der Praxis. Deshalb gilt es, neue Ausbildungsberufe aufzusetzen, die den Jugendlichen Perspektiven eröffnen. Dies ist dem Edeka-Verbund gelungen: Seit August 2014 bietet das Unternehmen seinen Azubis die IHK-zertifizierte Zusatzqualifikation "Frischespezialist" an. Jens Kettler, Geschäftsführer der Edeka Juniorengruppe e.V., und Christopher Bombik, Junior Projektmanager, Edeka AG, berichten in einem Gemeinschaftsvortrag über den neuen Ausbildungsweg und die heutigen Ansprüche der Jugendlichen an potentielle Ausbildungsunternehmen.

Ausbilder qualifizieren und regionale Netzwerke nutzen

Ein weiterer Hebel im System sind die Ausbilder: Sie sind der Dreh- und Angelpunkt, wenn es darum geht, Jugendliche erfolgreich auszubilden, die nicht die optimalen Voraussetzungen mitbringen. Dabei hilft den Betrieben das vom Bundeswirtschaftsministerium geförderte Projekt „Stark für Ausbildung“. Über Ziele und Inhalte der Initiative spricht Sabrina Schuster, Projektreferentin Innovativ Qualifizieren der DIHK-Gesellschaft für berufliche Bildung.

In puncto Fachkräftesicherung kommen auch verschiedene regionale Besonderheiten zum Tragen. Akteure wie beispielsweise Agenturen für Arbeit, Kammern, Arbeitgeber- und Unternehmerverbände, Gewerkschaften, Wirtschaftsförderer und Rentenversicherungsträger erreichen in der gemeinsamen Zusammenarbeit mehr als im Alleingang. Das „Innovationsbüro Fachkräfte für die Region“ fördert eben diesen Austausch – wie, das erklärt Projektleiter Jan Kuper von der DIHK Service GmbH in seinem Messebeitrag.

Fokus Berufliche Ausbildung in Ausstellung und Programm

Die Vorträge und Diskussionen zum Schwerpunktthema „Berufliche Ausbildung“ sind Teil des umfangreichen Begleitprogramms der Zukunft Personal. Rund 650 Aussteller zeigen ihr Portfolio – darunter Ausbildungsoptimierer wie u-form, AUBI-plus GmbH (Best Place to Learn) oder MINT Zukunft schaffen – Die Initiativen der deutschen Wirtschaft.

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Linda Dommes

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